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Das Pölitz-Frühstück vom 24.06.2017

Muttilein, was war das am Donnerstag für ein Sturm? Die Beurteilungen dazu gehen stark aus einander. Die „Magdeburger Volksstimme“ titelte: „Unwetter tobt über Sachsen-Anhalt“. Von der AfD wurde das natürlich sofort wieder als Desinformation durch die Lügenpresse bezeichnet. Deshalb tauschten sich AfD Mitglieder in ihren Chats im Netz ausgiebig darüber aus. In den veröffentlichten Chatprotokollen war zu lesen, wie man im Falle einer Machtübernahme die Presselandschaft richtig durchsieben müsste. Da müsste man manchen Redakteuren „die Krawatte etwas fester um den Hals ziehen“, war nur einer der gutgemeinten Ratschläge. So ist es kein Wunder, dass sich die Chatter nun auch über den Sturm austauschten. So wollte einer mit dem Namen „Hinkefuß“ die wahren Hintergründe des Unwetters kennen: „Der Sturm bricht los, nun Volk steh auf.“ Da dachten sofort viele an eine Rede im Berliner Sportpalast aus dem Jahre 1943. Nein, verteidigte sich „Hinkefuß“. Sein Zitat hätte nichts mit der Rede des kleinen Doktors von damals zu tun. Der hätte ja die Tatsachen damals völlig verdreht und gesagt: „Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los!“ Solche weltfremden Nazi-Parolen hätten in der AfD keine Chance. Es gäbe nämlich überhaupt keinen Sinn, wenn das Volk schon aufstehen würde, bevor der Sturm überhaupt losgebrochen wäre. Erst nachdem der Sturm getobt hat, da muss das Volk aufstehen. So wie es 1945 aufgestanden ist aus Ruinen. Zu Aufräumungsarbeiten. Die AfD sieht sich gewissermaßen als Aufräumkommando für Deutschland, damit Deutschland wieder den Deutschen gehören kann. So wie Frankreich den Franken, Irland den Irren oder Arland den Ariern. Also, jedem das Seine. Eine gewisse "Lady Chatterley" chattete, dass vor dem deutschen Volk nach dem Sturm nun ein gewaltiges Stück Arbeit läge. Aber Arbeit mache ja bekanntlich frei. Besonders traurig macht es viele Chat-Mitglieder, dass bei dem Sturm auch etliche deutsche Eichen für das Vaterl... äh, auf das Vaterland gefallen sind, weil sie im Muttibo...Mutterboden keinen rechten Halt mehr fanden. Der Chatter "Waldschrat" vermutete, dass läge daran, dass wir in Deutschland mittlerweile zu viel Mischwald hätten; und äußerte die Überlegung, dass man bei der Wiederaufforstung getrost den Mut zu einem Buchenwald aufbringen solle. Laut Wikipedia, so schrieb "Waldschrat" könne Buchenwald vor allem auf Braunerden sein maximales Potential entfalten. Ein Chatter namens „Filmliebhaber“ wusste noch zu berichten, dass das Lied: „Nun Volk steh auf und Sturm brich los“ früher mal in einem Film gesungen wurde, in dem es um die Verteidigung der Festung Kolberg ging. Einen Bezug zu Sachsen-Anhalt sah er aber nicht. Denn in Sachsen-Anhalt gäbe es gar keine Festung zu verteidigen. Höchstens eine Burg. Die Poggenburg. Da kann man nur sagen: Chat up!



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mdr1 Radio Sachsen-Anhalt

 

 
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