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Das Pölitz-Frühstück vom 22.04.2017

Es gab ja mal eine Zeit, Muttilein, da galt der Beruf Lokomotivführer noch als Traumberuf. Jeder Junge wollte in seinem Leben irgendwann mal Lokführer werden. Aber so viele Lokomotiven hatte die Bahn damals gar nicht, wie Führer werden wollten. Heute dagegen hat die Bahn mehr Lokomotiven, als Führer. Zum Beispiel die STB: die Selketalbahn. Weil der Zugpersonal fehlt, muss sie jetzt Schienenersatzverkehr fahren. Das musste dir mal vorstellen, Muttilein, da gurkste dann mit Bussen durch das Selketal. Da werden sich aber die Touristen freuen. Das ist ja genauso, wie wenn se in Venedig das Wasser ablassen würden, und du dann mit dem Fahrrad durch die Kanäle strampeln musst. Von wegen: der Harz – Region mit Zugkraft! Zug um Zug fällt aus. Aber das betrifft ja nicht nur die STB. Auch andere Bahnen haben Probleme. Zum Beispiel die SPD. ... Was sagste? ... Wo die fährt? ... Ja, das weiß eben keiner so genau. SPD, das ist ja die Bahn mit Ständig Pendelndem Durchrutschweg. Der Durchrutschweg, Muttilein, ist im Bahndeutsch, die Strecke, die hinter einem Hauptsignal freigehalten werden muss, damit der Zug sicher ins Ziel kommt. Aber dieser Durchrutschweg pendelt eben bei der SPD ständig. Mal hierhin, mal da hin. Meistens nach rechts. Dabei hatte schon ein alter Weichensteller der SPD mal gesagt: „Der Weg ist alles, das Ziel ist nichts.“ Aber nun wurde von der SPD ein neuer Zug auf das Gleis gesetzt. Der Schulzzug. Und der ist ein linkes Ding. So wurde er uns jedenfalls vom Bahnoberinspektor Gabriel als das Verkehrsmittel der Zukunft zugkräftig angekündigt. Also, mit großem Bahnhof. Dieser Schulzzug sollte angeblich ein Hochgeschwindigkeitszug sein, der pünktlich am 24. September zum Fahrplanwechsel in Berlin einfahren soll. Ja, bloß, wo isser denn abgeblieben? Man hat lange nichts von ihm gesehen? Auch sein Martinshorn wurde lange nicht gehört. Zwar hatte der Schulzzug schon kurzzeitig die Regionalbahn des Konkurrenzunternehmens „Merkelin“ überholt, aber bereits bei seinem ersten Halt im Saarland stiegen viele Fahrgäste wieder auf „Merkelin“ um. „Haha“, tönte es danach aus dem Bordfunk aller Merkelin-Regionalbahnen, „euer Erlöser wollte über ein Meer der Sympathie laufen und ist schon in der Saar ersoffen.“ Wie die Zugmeldestelle „Forsa“ jetzt bekannt gab, ist die Merkelin- Bahn zur Zeit mit 44 Stundenkilometern unterwegs, während der Schulzzug nicht mal mehr Tempo 30 schafft. Was als Expresszug begann, droht nun als Flaschenzug zu enden.

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mdr1 Radio Sachsen-Anhalt

 

 
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