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Die Pölitz-Kolumne vom 11.08.2018

Musik als störend wird empfunden,
Derweil sie mit Geräusch verbunden.
So dichtete einst Wilhelm Busch.
In Magdeburg heißt es jetzt auch für andere Geräusche: Kusch!
So haut' es gestern mich vom Hocker,
Als in der Zeitung stand der Schocker,
Aufgrund von Anwohnerbeschwerden,
Ein Brunnen abgedreht muss werden,
In Zukunft deshalb schon um achte,
Weil er zu viel Geräusche machte.
Es stören seine sprudelnden Fontänen,
Die braven Bürger nachts beim Gähnen.
Erst wollt ich lachen laut und schrill,
Doch war es nicht erster April,
Sondern mitten im August.
Und so verging zum Lachen mir die Lust.
Wenn des Bürgers Wunsch es will,
Steh'n nicht nur Fontänen still.
Denn auch Geräusche aus dem Zoo,
Machen keinen Bürger froh.
Als nächtens einmal schrie ein Pfau,
Klagt man: „Dreht um den Hals, der dummen Sau!“
Wenn morgens Nachbars Katze maut:
„Knallt ab das Biest, es ist zu laut“
Selbst gar bei hellem Kinderlachen
Hieß es: „Stopft diesen Gören doch den Rachen!“
Und dass die Elbe jetzt kein Wasser führt,
Hat, wie ich fürchte, auch ein Magdeburger eingerührt.
An ihrem Ufer wohnend in den schicken Villen,
Störte ihn beim abendlichen Grillen
Der Fische lautes Brüllen.
Die Stadtverwaltung tat ihm seinen Wunsch erfüllen,
Machte vor der Beschwerde schlapp,
Und ließ die Elbe einfach ab.
Wird nun als nächstes Klage gar erhoben,
Gegen des Domes Glocken in den Türmen droben?
Und man verlangt, dass zur Vermeidung ihrer Klänge,
Man diesen Ruhestörer sprenge?
Ich ahne, dass im Stillen jemand schon solch Klage plane,
Damit in Magdeburg vermieden werde jegliches urbane.
Und diese Stadt will künftig hier auf Erden,
Kulturhauptstadt Europas werden?
Dies Ziel betreibt sie jedenfalls mit viel Rumor.
Zu glauben, dass sie's so erreicht, braucht viel Humor.
In diesem Sinne: Mahlzeit!

Wer nicht lesen will, kann hören 
bei mdr-Radio Sachsen-Anhalt

 
 
 

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