Logo
 

Die Pölitz-Kolumne vom 20.01.2018

Das Unwort des Jahres 2017 lautet: Alternative Fakten. Das ist, wenn man durch eine Bezeichnung eine Tatsache verschleiern will. Wenn beispielsweise die von der CSU geforderte Obergrenze für Flüchtlinge jetzt „atmender Deckel“ heißt. Oder wenn Donald Trump den Klimawandel auf der Erde leugnet, ist er tatsächlich ein Arschloch. Der alternative Fakt dazu wäre: Er ist ein Mensch, durch dessen Abwesenheit die Welt ein Sück schöner wäre. Und wenn man die Folgen des Klimawandels, zum Beispiel einen Sturm, verniedlichen will, nennt man ihn einfach „Friederike“. So eine „Friederike“ bestimmte ja in dieser Woche unser ganzes öffentliches Leben. Die Theater änderten den Spielplan. Statt „Frühlingserwachen“ von Wedekind“ spielte man den „Sturm“ von Shakespeare. Im Fernsehen liefen Sondersendungen unter dem Titel „Vom Winde verweht“. Die Partneragentur Parship verschickte Apps: „Frauen, die im Sturm erobert werden wollen, bitte jetzt auf die Straße gehen“. Auch in Sachsen Anhalt gab es einen Sturm. Im Wasserglas. Die Staatssekretärin im Bildungsministerium hat ihren Cheffahrer missbraucht. Zum Blumengießen. Daraufhin blühte ihr nun was. Nämlich der Rausschmiss, durch den Ministerpräsidenten, der sie überhaupt erst in das Amt protegiert hatte. Aber nicht weil sie besonders befähigt war, sondern weil, wie man hinter vorgehaltener Hand sagt, sie die Freundin von Haseloffs Frau sei. Warum muss dann Haseloff nicht auch gleich mit gehen, wegen Vetternwirtschaft? Weil der alternative Fakt für diesen Filz „Personalpolitik“ heißt. Und das nicht nur in der CDU. Auch in der SPD. Da tobte der Sturm der Entrüstung. Über die Groko. Die Jusos halten sie für schlimmer als die „Afrikanische Schweinepest“, denn die ist für die Menschen nicht gefährlich. Die Pirouetten von Andrea „In die Fresse kriegen“ Nahles zu Andrea „in den Arsch kriechen“ Nahles dagegen schon. In seiner Not erinnerte sich Martin Schulz an eine Zeitungsmeldung, in der berichtet wurde, dass ein Enkel an seine verstorbene Großmutter einen Brief geschrieben hatte und sogar eine Antwort bekam. Die lautete: „Ich werde jeden Tag als dein Schutzengel auf dich aufpassen.“ Schulz setzte sich also hin und schrieb einen Brief an seinen verstorbenen Uropa August: „Ich bin der Martin, ne, Dein Urenkel und möchte gerne wissen, was du von der Groko hältst.“ Als Antwort hat Bebel daraufhin wie wild in seinem Grab rotiert. Und diesen Fakt bezeichneten wir alternativ als „Friederike“. In diesem Sinne: Mahlzeit!

 

Wer nicht lesen will, kann hören
bei mdr-Radio Sachsen-Anhalt