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Die Pölitz-Kolumne vom 13.10.2018

Die deutsche Sprache hat schöne Wörter hervorgebracht. Eines davon ist: der Wart. Laut Duden ist das eine Person, die für etwas verantwortlich ist. Das führte zu allseits bekannten Tätigkeiten wie Platzwart, Kassenwart, Tankwart, Hauswart oder Blockwart. Letzterer war allerdings nur bis 1945 tätig und wurde dann vom IM ersetzt, der inzwischen auch wieder durch den V-Mann abgelöst wurde. In der Gegenwart ist man nun bestrebt alte Berufe wieder zu neuem Leben zu erwecken und zu pflegen oder wie man auch sagt: zu warten. Beson-derer Dank gilt dabei der AfD. Sie will uns jetzt zu den bereits bekannten Warten noch einen neuen hinzufügen: den Bankwart. Bitte jetzt nicht verwechseln mit der Bankenaufsicht, die ist nur zuständig für die Notenbank. Der Bankwart hingegen für die Schulbank. In Hamburg läuft bereits ein Pilotprojekt. Da hat die AfD eine Plattform errichtet, wobei die Betonung bei dieser Form auf platt liegt, auf der Schüler ihre Lehrer anschwärzen können, wenn sie gegen das sogenannte Beutelsbacher „Überwältigungsverbot“ verstoßen. Das besagt nämlich, dass Lehrer den Schülern nicht ihre Meinung aufzwingen dürfen. Also, wenn ein Mathelehrer den Schülern seine Meinung aufzwingen will: 2+2 = 4, dann könnte die AG „Junge Petzten“ genaugenommen diesen Lehrer anzeigen. Was natürlich Quatsch ist. Der AFD geht es ja auch nur um alle Äußerungen, die ihren Zielen widersprechen. So wie es einst der katholischen Kirche widersprach, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe und die Inquisition einschritt, so sollen heute die Bankwarte einschreiten, wenn ein Lehrer z.B. die Auffassung verbreitet, Alexander Gauland hätte eine Scheibe, mit seiner Theorie, der Faschismus wäre „nur ein Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte. Da auch die AfD in Sachsen-Anhalt ein solches Meldeportal einrichten will, hier ein kleiner Ratgeber für alle Eltern, was in Zukunft meldepflichtig wäre. Schreiten sie unbedingt ein, wenn ihr Kind links neben seinem Banknachbarn sitzen soll. Dann gilt er als Linker und das kann negative Auswirkungen auf sein weiteres Leben haben. Schreiten sie ein, wenn ihr Kind ihnen erzählt, dass der Mathelehrer immer noch mit arabischen Zahlen arbeitet, anstatt mit römischen, der Deutschlehrer gar lateinische Buchstaben verwendet, anstatt keltischer Runen. Melden sie den Geographielehrer, der unsere Heimat immer noch in Länder gliedert und nicht in Gaue. Unsere Kinder sollen nämlich in einem Gauland aufwachsen. Wer aber behauptet, dass GAU auch größter anzunehmender Unfall bedeuten kann, ist linksversifft und gehört angezeigt. In diesem Sinne: Mahlzeit!

 

Wer nicht lesen will, kann hören 
bei mdr-Radio Sachsen-Anhalt

 
 
 

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